So fährt man einen Oldtimer-Traktor

Die richtige Bedienung in Kurzform zylinder-scheinwerfer-warchalowski

Einführung

Die alten Landmaschinen, um die es hier geht, heißen im Behördendeutsch »landwirtschaftliche Zugmaschinen«. Neben dem Begriff »Traktor«, im Norden oft »Trecker«, wird im Süden Deutschlands häufig »Schlepper« oder »Bulldog« (abgeleitet vom Lanz) verwendet. Bei ihnen kommen fast ausschließlich Dieselmotoren zum Einsatz.

Bei manchen Bauformen muss der kalte Motor vorgeglüht werden, bei anderen nicht. Bis ca. 1950 hatten viele Traktoren keinen elektrischen Anlasser und mussten angekurbelt werden. Aus heutiger Sicht ein toller Spaß, aber oft war es sehr anstrengend und birgt leider eine sehr hohe Verletzungsgefahr. Daher fahren Sie bei mir nur Traktoren mit elektrischem Anlasser.

Meine alten Traktoren haben hinten keine Federung. Der Fahrer hat einen leidlich gefederten Sitz, die Beifahrer sitzen auf 6 cm starken Schaumstoffpolstern. Traktorfahren ist nichts für Leute, die »Rücken« haben.

Wenn Sie kleiner als 1,65 m sind, können Sie Kupplung und Bremse nicht gleichzeitig voll durchtreten und somit den Traktor nicht schnell und sicher zum Stehen bringen.

Generell

Traktorfahren ist nicht mit dem Führen Ihres modernen PKW zu vergleichen. Nicht mal ansatzweise. Sie müssen die Bedienung des Fahrzeuges vollständig neu erlernen. Hilfreich ist es, wenn Sie sich auf Ihren ersten unsynchronisierten Käfer zurückbesinnen können. Das wäre schon mal ein guter Anfang. Die alten Dieselmotoren wollen sorgfältig bedient werden und dazu braucht es technisches Verständnis und Einfühlungsvermögen. Sie müssen das Zusammenspiel zwischen Motor, Kupplung und Getriebe verstanden haben, um den Traktor sicher und gewandt bewegen zu können.

Luftgekühlte Motoren

Bis auf den Mc Cormick sind meine Traktoren alle luftgekühlt. Dies erfordert eine gewisse Drehzahl, damit ausreichend Kühlluft zugeführt wird. Auch für den nötigen Öldruck muss durch ausreichend Drehzahl gesorgt werden.

Fahren Sie daher immer im mittleren Drehzahlbereich. Schalten Sie bitte rechtzeitig hoch und quälen sie ihn nicht zu weit runter. Wenn er raucht, geben Sie zuviel Gas bei zu niedriger Drehzahl und müssen einen niedrigeren Gang verwenden (Anhalten, im kleinen Gang wieder anfahren). Die Getriebe sind bei den 20 km/h-Traktoren alle so ausgelegt, dass Sie im größten Gang nicht langsamer als 10 km/h werden dürfen, da der Motor sonst ins Stottern kommt und Schaden nimmt.

Eine Mindestgeschwindigkeit von 13 km/h im größten Gang hat sich bei meinen Traktoren als praktikabler Richtwert herauskristallisiert.

Im Stand

Beim Aufsteigen ziehen Sie sich bitte nicht am Lenkrad hoch. Weder das Lenkrad noch die Welle sind auf den seitlichen Zug ausgerichtet. Sie sehen das an den vielen krummen Traktorlenkrädern (auch bei meinen Traktoren).
Am bequemsten steigen Sie von hinten über die Kiste auf und schwingen ein Bein, wie beim Aufsteigen auf ein Herrenfahrrad, über den Sitz. Beim Mc Cormick geht das nicht, da ist das Aufsteigen etwas mühsamer.

Lenken Sie bitte nur, wenn der Traktor rollt. Beim Lenken im Stillstand sind die Kräfte auf die Kugelgelenke der Lenkung zu hoch und sie verschleißen schnell.

Auf Strecke

Die angenehmste Reisegeschwindigkeit bei den 20 km/h-Traktoren liegt bei 13 – 17 km/h. 13 km/h ist gleichzeitig die Mindestgeschwindigkeit für ausreichende Kühlung. Außerdem kommen Sie so mit Ihrer Stecke und den einkalkulierten Pausen am besten hin.

Wenn Sie kein geübter Traktorfahrer sind, verzichten Sie bitte auf den Einsatz des Handgases zur Entlastung Ihres Gasfußes. Bei Eicher, Porsche und Mc Cormick stellt man damit die Leerlaufdrehzahl (Standgas) ein.

Bergab fahren

Bergab muss stets der höchste Gang eingelegt sein, damit der Motor mitbremst. Schalten Sie nicht in den Leerlauf oder treten Sie nicht die Kupplung, damit Sie schneller sind. Durch das grobe Stollenprofil der Reifen und die fehlende Federung kann sich der Traktor aufschaukeln und unbeherrschbar werden. Versuchen Sie nicht, herunterzuschalten. Sie haben keine Chance, einen niedrigeren Gang einzulegen, da der Traktor bergab sofort an Geschwindigkeit zunimmt und Sie das Getriebe nicht mehr synchronisiert bekommen. Sooft Sie auch nachzählen, als durchschnittlicher Mitteleuropäer haben Sie einfach keine 3 Füße zur gleichzeitigen Betätigung von Gas, Bremse und Kupplung.

Der größte Gang ist bergab genau richtig bei Ihrer Tour, die anderen sind zu kurz ausgelegt. Bremsen Sie ihn schon ab 15 km/h herunter bis auf 10 km/h. Dann lassen Sie ihn wieder Fahrt aufnehmen und bremsen ihn erneut kräftig herunter (Intervallbremsen). Der Mc Cormick hat die beste Motorbremse, der Porsche mit seinen lächerlichen 875 ccm im Einzylinder die schwächste.

Das Überdrehen des Motors führt zu kapitalen Schäden und es passiert sehr schnell. Die Traktoren erreichen ihre Maximaldrehzahl bei 19 bzw. 20 km/h. Fahren Sie nur läppische 2 km/h schneller, also 21 – 22 km/h, haben Sie die Maximaldrehzahl jedoch schon um satte 10 % überschritten! Zum Vergleich: Wenn bei Ihrem PKW der rote Bereich bei 6000 U/min beginnt, würden Sie den Motor dann bis 6600 U/min weiter hochdrehen? Beim Traktor sind es halt nur 2 km/h, die dasselbe bewirken. Der GPS-Empfänger verrät mir am Ende Ihrer Tour Ihre Maximalgeschwindigkeit. Bedenken Sie bitte: Die Maximaldrehzahl bei den alten Dieselmotoren liegt grade mal beim doppelten Standgas Ihres PKW. Beim Eicher um die 1500 U/min, bei den anderen bei ca. 1700 – 1800 U/min.

Und sonst

Die anderen Hebel für Mähwerk, Kraftheber oder Differentialsperre benötigen Sie nicht. Teilweise sind sie fixiert. Bitte spielen Sie nicht daran herum, Sie können mit unsachgemässer Bedienung Verletzungen an Mensch und Material verursachen.

Lassen Sie bitte die Motorhaube zu. Es gibt darunter nichts Aufregendes zu entdecken. Ventile, Ventiltrieb und Kolben sind in ihrer festen unspektakulären Umhausung und Sie können sie auch bei offener Haube nicht bei der Arbeit sehen.

Schalten und Walten

Die Getriebe alter Traktoren sind bis Mitte / Ende der 60er-Jahre generell unsynchronisiert.

Es gibt Getriebe, die verlangen exaktes Schalten mit doppeltem Kuppeln und Zwischengas. Andere wiederum sind so ausgelegt, dass man sie langsam und gefühlvoll beinahe wie gewohnt hochschalten kann. Nur hoch, nicht runter!

Bei meinen Traktoren ist Doppelkuppeln beim Hochschalten nicht notwendig. Sie müssen aber beim Runterschalten anhalten (völliger Stillstand!) und einen Gang unter dem höchsten erneut anfahren. Da Sie sowieso schon sehr langsam sind, stört das nicht weiter im Verkehr.

Der Ablauf beim Hochschalten ist so:
  • Sie fahren in dem Gang rechts vorne an (egal welcher Traktor) und holen ordentlich Schwung. Je bergauf, desto mehr.
  • Wenn Sie 8-9 km/h erreicht haben, legen Sie zuerst die Hand an oder auf den Schalthebel und treten erst danach die Kupplung voll durch.
  • Sie ziehen sofort den Schalthebel in den Leerlauf, entspannen den Schalthebel kurz (ein Wimpernschlag reicht, aber er darf nicht auf Zug gehalten werden), und ziehen ihn dann weiter zu sich heran in den Gang rechts hinten. Wenn Sie dabei „Gang raus – Gang rein“ innerhalb einer langen Sekunde laut sprechen und dazu den Schalthebel bewegen, machen Sie es instinktiv richtig.
  • Dann lassen Sie die Kupplung sofort aber gefühlvoll wieder kommen und geben Gas.
    Bekommen Sie den höheren Gang nicht sofort rein, halten Sie an und fahren erneut an. Kein Grund zur Verzweiflung, es war früher halt so.
Unsitten beim Schalten, die sich leider nicht wenige Fahrer über die Jahre angeeignet haben:
  • Kupplung nicht bis zum Anschlag durchtreten
  • Fuß auf dem Kupplungspedal oder knapp darüber ruhen lassen (der Fuß wird schwerer mit der Zeit und schleift den Graphitring am Ausrücklager runter)
  • Hand auf dem Schalthebel ablegen
  • Gänge diagonal zu schalten anstatt den rechtwinkligen Gassen zu folgen
  • Fuß beim Schalten auf dem Gas stehen lassen, während die Kupplung gedrückt ist und dann die Kupplung bei Vollgas schnell kommen lassen

Schlimmstenfalls lasse ich Sie wieder absteigen, bevor Sie mir ein Getriebe ruinieren oder einen Rückwärtssalto hinlegen.

Weil ich Ihnen all das und dazu noch die traktorspezifischen Details erklären muss, dauert die Einweisung auch gerne mal länger als eine halbe Stunde.