Porsche Diesel Junior 109 G

»Ein Motor für einen Bauern kann gar nicht einzylindrig genug sein.«
(Ferdinand Porsche)

»Dein nächster Traktor muss aber rot sein!« sprach meine Angetraute schon beim grünen Fendt. Als kluger Ehemann musste ich dieser Quasi-Aufforderung zum Kauf eines weiteren Traktors natürlich umgehend nachkommen. So wuchs mein Bestand 2010 also gleich um 2 Trecker und Sie können jetzt einen Porsche Traktor fahren.

Von Anwälten und Ärzten ist er mittlerweile hochgeschätzt als Zweit-Porsche in der heimischen Garage. Das spiegelt sich deutlich in den kometenhaft gestiegenen Preisen wider.

Dabei wurden die Porsche Traktoren gar nicht von der damaligen Porsche KG gebaut. Lediglich die Konstruktion ist auf Ferdinand Porsche zurückzuführen. »Des Teufels Konstrukteur« entwarf nicht nur den Volkswagen, sondern auch den Volksschlepper. Allgaier übernahm nach dem Krieg die Pläne und das Dornier-Werk in Friedrichshafen und fertigte seine Trecker nach dem »System Porsche«. 1957 stieg Allgaier aus und Mannesmann ein und baute die sehr erfolgreichen und preisgünstigen Trecker unter der Marke »Porsche Diesel« bis 1963. Den größten Teil der Konstruktion und Entwicklung dieser modernen Schlepper leistete die Porsche KG in Stuttgart. Aber sie hat ihn nicht gebaut!

Das Einzylindermodell, der Junior, wurde ab 1961 mit einer vorn angeschlagenen Motorhaube und 15 PS statt bisher 14 PS ausgeliefert. Er trägt die Typbezeichnung 109 und fällt durch seine Knubbelnase auf.

 

Starten Sie schon mal den Motor

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Porsche Diesel Junior 109 G

 

Da ich nach den letzten Restaurierungen die Nase voll hatte, suchte ich einen fertig restaurierten Porsche Trecker. Doch das wurde wieder mal nichts. Überfällig waren das Belegen der Bremsen mit neuen Belägen, das Entwässern und Entrosten des Tanks, das Ersetzen von Lagern und Wellendichtringen an der Hinterachse. Trotz angeblicher älterer Restaurierung. Dazu kam ein völlig ausgenudelter Motor (17 bar Kompression), verbastelte Elektrik (damit hätte er keine HU bestehen dürfen) und weitere unzählige Murksereien. Die selbstgebastelten Kotflügel waren im Praxiseinsatz mit ihren unterdimensionierten Röhrchen völlig untauglich und schon nach wenigen Stunden weggebrochen.

Die hellgelben Felgen sprechen dafür, dass es sich um ein Exportmodell für die BeNeLux-Staaten oder Frankreich handelte. Aufgrund der hohen Inlandsnachfrage wurden nicht alle für den Export gebauten Trecker auch tatsächlich ausgeführt. Da es zur Geschichte des Fahrzeugs gehört, lasse ich es so. Ebenso wie die nachgerüstete Kotflügelsitzbank in der anderen Version.

Der kleine rote Porsche Traktor hat einen schönen Klang und ist etwas leiser als die anderen Trecker in meiner Vermietung. Von seinen Ausmaßen her ist er sehr übersichtlich und angenehm zu fahren. Dennoch muss man für seine Bedienung viel lernen und beachten.

Für Leute, die noch nie Traktor gefahren sind, ist er nicht geeignet.

Aber sein klingender Markenname und die leuchtende Farbe machen ihn halt sehr attraktiv. Gerade zurück von der Zulassungsstelle, standen schon die ersten Interessenten da und wollten ihn sofort fahren. Dabei waren die Kennzeichen noch gar nicht montiert …

 

Die technischen Daten des Porsche Diesel Junior 109 G:

Motor: Luftgekühlter 1-Zylinder-4-Takt-Motor F109 mit 875 ccm und 15 PS bei 2250 U/min

Getriebe: ZF A4 mit 3 Vorwärts- und 1 Rückwärtsgang. Untersetzung zuschaltbar als Kriechganggruppe

Höchstgeschwindigkeit: 19 km/h

Leergewicht: 875 kg

Gebaute Stückzahl: ca. 2500 Stück

Erstzulassung: 6.4.1961

Neupreis: 6170.- DM

Sitzplätze:
Fahrersitz: Mindestkörpergröße 1,65 cm. Max. Belastung 100 kg.
Beifahrersitze: 2 Kotflügelsitzbänke mit Nutzbreite von 69 cm und max. Belastung von 80 kg

Zu einem schlanken Erwachsenen kann daher ein Kleinkind sitzen. Oder 2 Kinder pro Sitzbank.

Die Kotflügel sind für höhere Gewichte nicht geeignet. Im Zweifelsfall lasse ich Sie auf die Waage steigen.

 

Cockpit Porsche Diesel Junior 109 G

So fahren Sie den Porsche Diesel Junior:

Drehen Sie den Handgashebel nach links auf Vollanschlag, damit der Motor zum Start genügend Diesel bekommt.

Drücken Sie den Zündschlüssel hinein, so dass Ladekontrolle und Öldruckkontrolle leuchten.

Ziehen Sie den Glühanlaßschalter bis zur ersten Raste heraus und halten sie ihn etwa 15 Sekunden (Vorglühen).

Dann ziehen Sie den Glühanlaßschalter ganz heraus und halten ihn, bis die Ladekontrollleuchte fast vollständig erloschen ist. Jetzt loslassen.

Der Motor dreht immer schneller und Sie nehmen den Handgashebel zurück bis ca. 11 Uhr, um eine niedrige, stabile Leerlaufdrehzahl einzustellen.

Das ist bei kaltem Motor ein Geduldsspiel, Sie müssen immer wieder nachregeln und wissen, wie es sich anhören muss. Daher ist der Porsche nur für Leute mit Erfahrung.

Vorwärts fahren Sie im 2. Gang an. Zum Hochschalten in den 3. Gang treten Sie die Kupplung voll durch und legen beim Passieren des Leerlaufs eine kurze Pause ein.

Zurückschalten dürfen Sie mit meinen Traktoren nicht, denn es muss mit doppelt kuppeln und Zwischengas erfolgen. Weil ich nicht möchte, dass Sie das an meinem Traktor üben, bis Sie es (ggf. wieder) beherrschen, müssen Sie anhalten und im 2. Gang neu anfahren.

Abgestellt wird der Motor, in dem Sie den Handgashebel bis zum Anschlag nach rechts drehen (12 Uhr) und so stehen lassen.

Das Einweisungsvideo zeigt eine etwas andere Vorgehensweise, die mit dem überholten Zylinderkopf und der neuen Feder im Handbremshebel nicht mehr nötig ist.